Neues vom Chor

November 2022: Ein berührendes Konzert

Zum Gedenken: Requiem von Mansurian und von Fauré

Wenn es, nachdem der letzte Ton verklungen ist, ganz still wird in der Kirche, wird uns deutlich, dass wir das Publikum erreicht haben mit unserer Musik. Dass wir genau das geschafft haben, worauf wir monatelang hingearbeitet haben, fasziniert von den wunderbaren Klängen, der musikalischen Sprache, dem Miteinander von Stimmen und Instrumenten. Diese Stille, in der alle dem eben Gehörten noch nachlauschen, rührt unser Herz an.

So geschehen am Ende des Konzerts „Zum Gedenken” mit dem Requiem des armenischen Komponisten Tigran Mansurian von 2011 und dem Requiem op. 48 (1889) von Gabriel Fauré am 13. November 2022 in der Markuskirche Stuttgart. Die Zusammenarbeit mit Anja Petersen (Sopran), Henryk Böhm, (Bariton) und dem ensemble ohrenblicke war aufregend, lehrreich und wunderbar, und wir danken ihnen von Herzen dafür. Es war ein wunderschönes Konzert!

Hauptprobe zum Konzert am 13. November 2022

Oktober 2022: Die Proben für das nächste Konzert haben begonnen

Zum Gedenken: Requiem von Mansurian und von Fauré

Das Requiem ist die liturgische Gestaltung der Totenmesse zum Gedenken an die Verstorbenen. Unzählige Komponisten haben sich dieses Themas angenommen und zahlreiche Requiem-Vertonungen wurden berühmt. Man denke nur an das Mozart′sche Requiem, dem sich das Rondo vocale im Oktober 2021 in Backnang und im Mai 2022 beim 102. Deutschen Katholikentag in Stuttgart, zusammen mit dem Stuttgarter Poeten Timo Brunke, in ganz eigener Weise gewidmet hat.
Nun probt der Chor das 2010/11 geschaffene Requiem des armenischen Komponisten Tigran Mansurian, der sein Werk dem Völkermord an den Armeniern in den Jahren 1915 bis 1917 gewidmet hat. Gewohnte und ungewohnte Klänge mischen sich vor dem Hintergrund einer anderen als der geläufigen Tradition. Bekannt ist hingegen das Requiem op. 48 (1889) von Gabriel Fauré. Aber auch dieses Requiem unterscheidet sich von vielen anderen, nämlich darin, dass der Fokus nicht auf dem „Tag des Zorns” liegt, nicht auf dem Jüngsten Gericht, sondern dass es ganz auf musikalischen Trost und auf Hoffnung setzt, auf das „menschliche Vertrauen in die Ewigkeit” (Fauré).
Beide Werke finden großen Anklang im Chor, sind aber auch eine Herausforderung – das Requiem von Mansurian durch seine oft eigenwilligen Harmonien, dasjenige von Fauré insofern, als die innigen Klänge nicht ins Banale oder gar Süßliche abrutschen sollen.
Das Rondo vocale ist eifrig am Proben, auch mal getrennt nach Frauen- und Männerstimmen. Das Bild unten zeigt die Frauenprobe am 10. Oktober.
Konzertaufführung ist am 13. November 2022 um 19 Uhr in der Markuskirche Stuttgart. Der Chor und Gereon Müller freuen sich sehr, an diesem Abend mit zwei großartigen Künstler:innen, der Opern- und Konzertsopranistin Anja Petersen und dem Opern- und Konzertbariton Henryk Böhm, zusammenarbeiten zu können. Das ensemble ohrenblicke wird einmal mehr den instrumentalen Part übernehmen, ebenfalls zur Begeisterung des Chors und seines Leiters.

Juni 2022: Probentage in Ochsenhausen

Endlich wieder Chorprobentage
Nachdem unsere Chorprobentage in den Jahren 2020 und 2021 ausgefallen waren, freuten wir uns sehr, uns über Fronleichnam wieder in Ochsenhausen für einige Tage zu treffen, um uns auf die nächste Aufführung vorzubereiten. Wunderbare Konzerte entstehen, wenn man sich kennt und sich versteht. Daher lassen wir neben der Probenarbeit auch Raum für andere Aktivitäten. Kern bleibt natürlich aber die Vorbereitung auf die kommenden Aufführungen: am 25. Juni zum musikalischen Wochenschluss um 18 Uhr in der Markuskirche, am 26. Juni um 18 Uhr in der Gnadenkirche Heumaden. Im Mittelpunkt des A-cappella-Programms stand die doppelchörige Rheinberger-Messe in Es-Dur (Op. 109), dazu sangen wir kleinere Werke unterschiedlicher Komponisten aus unterschiedlichen Jahrhunderten: Motetten von Heinrich Schütz, schlichte, zu Herzen gehende Werke des 20. Jahrhunderts von Maurice Duruflé und Kurt Nystedt und wohlklingende zeitgenössische Stücke von Ola Gjeilo und Ēriks Ešenvalds.

Das einstige Benediktinerkloster Ochsenhausen, eine 1090 gegründete und 1803 aufgehobene Reichsabtei, gehört zu den eindrucksvollsten Anlagen des oberschwäbischen Barock. Es fasziniert schon durch seine schiere Größe, aber auch durch seine sorgfältig restaurierte barocke Ausstattung. Heute bietet es der Landesakademie für die musizierende Jugend in Württemberg Räume zum Proben und Üben. Wir sind dankbar dafür, dass wir alle zwei Jahre hier unsere Probentage verbringen dürfen. Um das Kloster herum findet sich herrliche Natur, ein wundervolles Freibad und eine lauschige Gartenwirtschaft – und in Bezug auf die Eisdiele im Ort fragt man am besten das eine oder andere Chormitglied.

Der Probensaal des Rondo vocale in Ochsenhausen: Hier macht Singen einfach Freude!
Abends lockt die neben dem Kloster gelegene Gartenwirtschaft zur fröhlichen Runde.

Mai 2022: Vorbereitung auf den Kirchentag

Das re:requiem im Rahmen des Katholikentags
Nach dem Karfreitagskonzert bereiteten wir uns auf die zweite Aufführung unseres re:requiem vor: An Himmelfahrt, dem 26. Mai, konnten wir das re:requiem erneut aufführen, und zwar im Rahmen des 102. Katholikentags in Stuttgart. Gereon Müller, Jonathan Hanke und Timo Brunke fügten dem Mozart-Requiem und seinen liturgischen Texten Alternativen aus ganz unterschiedlichen Jahrhunderten hinzu, Werke von der Gregorianik bis heute. So wurde die historische Distanz überwunden und die Aktualität spürbar. Die Frage, wo wir spirituell, musikalisch und kulturell herkommen, spielte dabei ebenso eine Rolle wie die Frage, wie wir in Zukunft unsere Spiritualität, unsere Kunst und unser Zusammenleben gestalten wollen. Timo Brunke zog in das re:requiem ein zweites Strukturmodell ein, die „Requiem-Rhapsodie“. Der Konzertpoet fungierte als „Evangelist“ und Anstifter zum individuellen oder kollektiven situativen Mitsprechen aller Anwesenden. Die zu hörende Fassung von Mozarts Requiem ergänzte neben den Originalpartien, soweit sie aus W. A. Mozarts Hand stammten, auch die Leerstellen, die dadurch entstanden, dass Mozart sein Werk nicht vollenden konnte. Jonathan Hanke füllte sie mit neuen Kompositionen junger Stuttgarter Musikstudierenden, die auf der Grundlage der Texte von Timo Brunke entstanden, und durch ergänzende Werke aus dem musikalischen oder spirituellen Umfeld des Requiems (Missa de profunctis; Mozart, Klarinettenkonzert; Händel, Amen; Bill Evans, Peace Piece …) und nicht zuletzt durch Improvisationen des ensembles ohrenblicke und der Gesangssolistinnen und -solisten Hannah Gries (Sopran), Jasmin Hoffmann (Alt), Martin Höhler (Tenor) und Pascal Zurek (Bass).

Unser Konzert war ein großer Erfolg. Obwohl die Kirche nicht gerade im Zentrum von Stuttgart liegt und es zahlreiche parallele Veranstaltungen gab, war das Kirchenschiff voll mit Zuhörerinnen und Zuhörern. Chor, Solist⋅innen und Orchester, Dirigent, Poet und Komponist hatten viel Spaß beim gemeinsamen Musizieren und Improvisieren und freuten sich über Standing Ovations.

Wir können wieder vor Publikum singen

Ein Konzert, ein Konzert ...
Im Herbst 2021 wagten wir es allen widrigen Umständen zum Trotz, zwei Konzerte aufzuführen. Nach der Coronapause starteten wir Mitte Oktober in der Christkönigkirche Backnang mit einer ersten Aufführung des re:requiem. Wegen der geltenden Abstandsregeln stand leider nur eine sehr begrenzte Zahl von Karten zur Verfügung, sodass nicht alle Interessierten tatsächlich das Konzert besuchen konnten.

Bereits sechs Wochen später, zum ersten Advent, traten wir dann unter dem Motto O Magnum Mysterium erneut auf und bereiteten in der Markuskirche Stuttgart dem Publikum eine besinnlich-schöne Stunde mit adventlicher und weihnachtlicher Musik mit Werken von Francis Poulenc, Giovanni Gabrieli, Morten Lauridsen, Ola Gjeilo und Eric Whitacre, dazu kamen musikalische Improvisationen von Jonathan Hanke und Levan Stülpnagel.

2022 nahmen die Coronarestriktionen allmählich ab und wir konnten die Proben im gewohnten Rhythmus wieder aufnehmen, unter Beachtung aller erforderlichen Hygienemaßnahmen natürlich. Das musikalische Ergebnis: das Konzert Klage und Hoffnung am Karfreitag in der Markuskirche Stuttgart mit Werken von Gavin Bryars, Jaakko Mäntyjärvi, Antonio Lotti und Josef Gabriel Rheinberger.

Letztendlich standen alle Proben und Aufführungen immer unter dem Eindruck von Corona. Aber es gibt auch viel Positives, das wir aus dieser Zeit mitnehmen konnten. Unser Hygienekonzept machte es möglich, dass wir keine einzige Coronainfektion im Chor weitertrugen. Das anfangs sehr ungewohnte Singen mit großem Abstand untereinander beeinflusste den Chorklang positiv, weil die Sängerinnen und Sänger weniger die Stimmen in unmittelbarer Nähe, dafür aber den Gesamtklang viel mehr wahrnehmen konnten.

November 2021: Wir proben weiter

Leider stiegen die Inzidenzen erneut stark an. In den vergangenen Tagen gab es Presseberichte, dass es in einem Chor im Umland von Stuttgart nach einer Chorprobe zu einem größeren Corona-Ausbruch kam. Einzelne Chormitglieder beschlossen für sich, mit den Proben auszusetzen. Zwangsläufig stellte sich damit auch für den Chor als Ganzes die Frage erneut, ob wir es verantworten konnten, mit den Proben und Konzertaufführen fortzufahren.

Letztendlich gibt es nicht den einen richtigen Weg. Jeder und jede muss angesichts der konkreten Umstände für sich entscheiden, welchen Weg er bzw. sie gehen möchte. Das respektieren wir selbstverständlich.

Sorglos hatten wir schon seither nicht geprobt. Ohne es bewusst als Ziel ausgegeben zu haben, stellte sich im Sommer 2021 heraus, dass der Chor 2G-Status hatte: Alle waren geimpft. Wir achteten, wann immer Chorproben möglich waren, darauf , im Freien oder in großen Räumen mit sehr guter Durchlüftung zu singen. Wir waren sehr dankbar, dass uns die Markuskirche hier ideale Bedingungen lieferte: eine große Hallenkirche, bei der über geöffnete Fenster quergelüftet werden kann. Auch die Haigstkirche war für uns groß genug. Wir ließen einen CO2-Sensor zur Überwachung mitlaufen, der die gute Durchlüftung messtechnisch erfasste. Außerdem achteten wir konsequent auf Abstand zwischen den Sängerinnen und Sängern.

Nun können aber auch Geimpfte Corona übertragen. Daher beschlossen wir, dass jedes Chormitglied ab sofort zusätzlich am Tag der Probe einen Schnelltest machen musste, wir probten also im 2G+-Modus. Wir achteten zudem streng darauf, abseits des Singens konsequent Masken tragen.

Ein Restrisiko bleibt, das ist klar. Aber wir gehen sorgsam mit der Situation um und sind bereit, dieses Restrisiko zu tragen.

November 2020 bis Juni 2021: im Lockdown

Leider wurden wir mit unseren Proben Ende Oktober 2020 durch die zweite coronabedingte Pause im Winter/Frühjahr 2020/2021 gestoppt. Im Juni 2020 nahmen wir unsere Probenarbeit wieder auf, wobei wir uns selbstverständlich an die Regeln hielten (GGG/AHA).

Aber wie hielten wir in Zeiten, in denen ein persönlicher Kontakt nicht möglich war, den Chor zusammen? Wir sind ja auch eine Gemeinschaft, die vom direkten Miteinander lebt. Nun, der Chor ließ sich einiges einfallen.

Stimmbildung
Da war beispielsweise unsere Stimmbildnerin Cornelia Karle. Sie ließ sich ohne Umschweife auf das Experiment Einsingvideo ein. Wer daheim saß und fürchtete, die Stimme würde einrosten, an Geschmeidigkeit und Volumen verlieren, konnte sich mithilfe von Cornelia Karles kleinen Videosequenzen in den eigenen vier Wänden einsingen. Ganz so, als würde man tatsächlich vor ihr stehen und mit ihr arbeiten. Außerdem konnte man sich mit ihr zu einer individuellen Online-Stimmbildung verabreden, was viele begeistert nutzten. Auch an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön dafür, liebe Cornelia Karle!

Virtuelle Treffen
Konrad Panzlaff und Stephanie Flüss luden zum virtuellen Treffen via Jitsi ein. So konnten wir uns etliche Male an Abenden, an denen eigentlich eine Chorprobe hätte stattfinden sollen, in die Augen schauen. Auch wenn nicht alle immer dabei sein konnten – es war einfach schön, dass wir (unter anderem) auf diese Weise den Kontakt halten konnten. Konrad und Steffi, auch Euch ein dickes Dankeschön dafür!

Jamulus
Über Online-Proben hatten wir gleich zu Beginn des zweiten Lockdowns nachgedacht, als Möglichkeit aber verworfen. Die Verzögerung (Latenz) bei den üblichen Konferenzproben ist viel zu hoch, um miteinander zu musizieren. Im April hörten wir dann erstmals von Jamulus, einer Software, die speziell für Musiker gedacht ist. Innerhalb von wenigen Tagen war dann klar: Das wollen wir nutzen! Nach einigem Ausprobieren buchten wir einen eigenen virtuellen Linux-Server und installierten Jamulus. Nachdem mehr als zehn Chormitglieder sich die entsprechende Audioausrüstung besorgt hatten, war es am 5. Juni so weit: unsere erste gemeinsame Probe nach sieben Monaten! Ein ganz herzliches Dankeschön an Jonathan Hanke und Gereon Müller, ohne die die Jamulus-Proben nicht möglich gewesen wären.

Aber nichts geht über Präsenzproben! Damit begannen wir im Sommer 2021 erneut.

Gartenproben im Sommer 2020

Was tut man, wenn es nicht möglich ist, sich in Räumen zu treffen? Genau! Man trifft sich im Freien. Bereits nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 begannen wir im Sommer 2020 wieder mit Proben. Chorproben im Garten, in diesem Fall Evas Garten in Sonnenberg, war auch für das Rondo vocale etwas ganz Neues. Uns lief in der Sonne der Schweiß, aber der Ort war wunderschön und es machte sehr viel Spaß. Vor allem war es schön, sich wieder persönlich zu sehen und gemeinsam zu singen. Damit coronamäßig alles sinnvoll ablaufen konnte, war der Chor in zwei Gruppen aufgeteilt, die nacheinander probten.

Eva, ein herzliches Dankeschön dafür!

Sehen wir Sie in unserem nächsten Konzert?